Was ist eine IP-Adresse?
Damit sich Geräte in einem Netzwerk finden können, braucht jedes Gerät eine eigene Adresse – so wie jedes Haus eine eigene Postadresse hat. Diese Adresse nennt man IP-Adresse.
«Bahnhofstrasse (Strasse = Netzwerk) 90 (Hausnummer = Gerät)». Alle Häuser an der gleichen Strasse gehören zum gleichen Quartier – genau wie alle Geräte im gleichen Netzwerk den gleichen «Netzwerk-Teil» in ihrer IP-Adresse haben.
Eine IP-Adresse besteht aus 4 Zahlenblöcken (0–255), getrennt durch Punkte, zum Beispiel:
Netzwerk- und Host-Anteil
Jede IP-Adresse teilt sich in zwei Teile:
- Netzwerk-Anteil – bestimmt, zu welchem «Quartier» (Netzwerk) ein Gerät gehört
- Host-Anteil – bestimmt, welches konkrete Gerät innerhalb dieses Netzwerks gemeint ist
Im Beispiel oben ist 192.168.111 der Netzwerk-Anteil und 90
der Host-Anteil – also Gerät Nr. 90 im Netzwerk 192.168.111.
Was macht die Subnetzmaske?
Die Subnetzmaske sagt, wie viele Stellen der IP-Adresse zum Netzwerk-Anteil gehören und wie viele zum Host-Anteil. Eine sehr häufige Subnetzmaske ist:
255 bedeutet «dieser Block gehört zum
Netzwerk-Anteil». Eine 0 bedeutet «dieser Block gehört zum Host-Anteil
und kann für einzelne Geräte vergeben werden».
Bei
255.255.255.0 sind also die ersten drei Blöcke der IP-Adresse
das Netzwerk – nur der letzte Block unterscheidet die Geräte.
Kurzschreibweise: /24 (CIDR)
Oft wird die Subnetzmaske nicht ausgeschrieben, sondern zusammen mit der IP-Adresse
als kurze Zahl hinter einem Schrägstrich angegeben, zum Beispiel
192.168.111.90/24. Diese Schreibweise nennt man CIDR-Notation.
255.255.255.0 besteht binär aus 24 Einsen in Folge → also
/24.
| Subnetzmaske (dezimal) | Subnetzmaske (binär) | CIDR |
|---|---|---|
| 255.0.0.0 | 11111111.00000000.00000000.00000000 | /8 |
| 255.255.0.0 | 11111111.11111111.00000000.00000000 | /16 |
| 255.255.255.0 | 11111111.11111111.11111111.00000000 | /24 |
255.255.254.0 (= /23)
ist gültig – dabei liegt die Grenze mitten in einem Zahlenblock.
Das kannst du im Baukasten unten direkt ausprobieren.
Zum Ausprobieren: Baukasten
Tipp: Trage z. B. 255.255.254.0 ein, um /23 auszuprobieren – die Grenze liegt dann mitten im dritten Block.
Sonderfälle: Netzwerkadresse und Broadcast-Adresse
Bei einem normalen IPv4-Subnetz sind nicht alle Host-Adressen für Geräte verwendbar – zwei davon sind reserviert:
Beispiel:
192.168.111.0
Beispiel:
192.168.111.255
255.255.255.0 (/24) nicht 256, sondern nur
254 Host-Adressen für Geräte zur Verfügung: 192.168.111.1
bis 192.168.111.254.
/31, /30 Host-Bits)
gelten Sonderregeln – z.B. gibt es bei /31 keine reservierte
Netzwerk- oder Broadcast-Adresse. Das kannst du im Baukasten weiter oben direkt
ausprobieren.
Warum das wichtig ist: Erreichbarkeit
Sind Laptop und Siemens-CPU (der Steuerung der Anlage) direkt über Ethernet verbunden – also ohne Router dazwischen, wie im Kursaufbau üblich – müssen beide Geräte im gleichen Netzwerk-Anteil liegen. Nur der Host-Anteil (die letzte Zahl) darf unterschiedlich sein.
192.168.111.50/24CPU:
192.168.111.102/24Gleicher Netzwerk-Anteil (
192.168.111) → Kommunikation über TCP/IP funktioniert.
192.168.1.50/24CPU:
192.168.111.102/24Unterschiedlicher Netzwerk-Anteil (
192.168.1 ≠ 192.168.111)
→ keine direkte Kommunikation über TCP/IP möglich.
192.168.111.50, Subnetzmaske 255.255.255.0
bzw. /24).
Sonderfall: «Erreichbare Teilnehmer» in TIA Portal
In TIA Portal gibt es die Funktion «Erreichbare Teilnehmer», mit der man Geräte im Netzwerk sucht und findet – auch wenn Laptop und CPU unterschiedliche Netzwerk-Anteile haben. Das scheint auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein, ist aber technisch begründet:
Mehr Details zu DCP und TCP/IP findest du in den Registern «MAC-Adresse & Ethernet», «TCP/IP» und «DCP».
MAC-Adresse & Ethernet
Neben der IP-Adresse hat jedes Netzwerkgerät noch eine zweite, ganz andere Adresse: die MAC-Adresse. Sie ist die Grundlage dafür, wie Ethernet und später auch DCP funktionieren.
Was ist eine MAC-Adresse?
Die MAC-Adresse (Media Access Control) ist eine eindeutige Hardware-Adresse, die vom Hersteller fest in jede Netzwerkkarte bzw. jeden Ethernet-Anschluss «eingebrannt» wird. Sie besteht aus 6 Byte, meist als Hexadezimalzahl dargestellt:
MAC-Adresse vs. IP-Adresse
| Eigenschaft | MAC-Adresse | IP-Adresse |
|---|---|---|
| Ebene (vereinfacht) | Ethernet / Hardware (Layer 2) | Netzwerk / Routing (Layer 3) |
| Vergabe | Ab Werk fest vergeben | Konfigurierbar (DHCP oder manuell) |
| Format | 6 Byte, hexadezimal | 4 Byte, dezimal |
| Gültigkeitsbereich | Nur im lokalen Netzsegment sichtbar | Weltweit routbar (mit Gateway) |
| Änderbar? | In der Regel nein | Ja, jederzeit anpassbar |
Was ist Ethernet?
Ethernet ist die Übertragungstechnik, mit der Datenpakete physisch über das Netzwerkkabel transportiert werden. Innerhalb eines lokalen Netzsegments adressiert Ethernet die Geräte direkt über ihre MAC-Adresse – ganz ohne IP-Adresse.
TCP/IP
Damit Geräte im Netzwerk sinnvoll miteinander «reden» können, brauchen sie eine gemeinsame Sprache – ein Protokoll. Für die Kommunikation zwischen Engineering-PC und CPU (Laden, Online gehen, Diagnose) wird dafür meist TCP/IP verwendet.
Was bedeutet TCP/IP?
TCP/IP ist eigentlich keine einzelne Technik, sondern eine ganze Protokollfamilie, benannt nach ihren zwei wichtigsten Bestandteilen:
Warum das für die SPS-Kommunikation wichtig ist
Wenn du im TIA Portal ein Programm lädst, online gehst oder eine Diagnose durchführst, läuft diese Kommunikation über eine TCP/IP-Verbindung zur CPU. Damit diese Verbindung bei einer direkten Ethernet-Verbindung ohne Router zustande kommt, muss – wie im Register «Grundlagen» gezeigt – die IP-Adresse des Engineering-PCs im gleichen Netzwerk-Anteil liegen wie die CPU. Mehr zur Rolle eines Routers im Register «Router».
Router – kurz erklärt
Ein Router ist ein Gerät, das Datenpakete zwischen unterschiedlichen Netzwerken (unterschiedlichen Netzwerk-Anteilen) weiterleitet. Ohne Router bleibt die Kommunikation auf das eigene, lokale Netzwerk beschränkt.
Switch vs. Router
| Eigenschaft | Switch | Router |
|---|---|---|
| Verbindet | Geräte im gleichen Netzwerk | Unterschiedliche Netzwerke miteinander |
| Adressierung | Über MAC-Adressen | Über IP-Adressen |
| Nötig für direkte PC↔CPU-Verbindung? | Ja (bei mehreren Geräten) | Nein, sofern beide im gleichen Netzwerk liegen |
Standardgateway
Die IP-Adresse des Routers im eigenen Netzwerk wird als Standardgateway bezeichnet. Ein Gerät schickt ein Datenpaket an das Standardgateway, sobald das Ziel ausserhalb des eigenen Netzwerk-Anteils liegt.
DCP – Discovery and Configuration Protocol
DCP ist das Protokoll, das hinter der Funktion «Erreichbare Teilnehmer» im TIA Portal steckt (siehe Register «Grundlagen»). Hier folgt die genauere Erklärung.
Was ist DCP?
DCP (Discovery and Configuration Protocol) ist ein PROFINET-eigenes Protokoll. Es dient dazu, Geräte im Netzwerk zu finden («Discovery») und ihnen grundlegende Einstellungen wie Gerätename oder IP-Adresse zuzuweisen («Configuration»).
Wie funktioniert DCP technisch?
01-0E-CF-xx-xx-xx), auf die
jedes PROFINET-Gerät antwortet – unabhängig davon, ob seine IP-Adresse zum PC
passt oder nicht.
| Eigenschaft | DCP | TCP/IP |
|---|---|---|
| Adressierung über | MAC-Adresse (Ethernet) | IP-Adresse |
| Benötigt passende IP-Konfiguration? | Nein | Ja |
| Routbar (über mehrere Netzwerke hinweg)? | Nein – nur lokales Netzsegment | Ja, mit Gateway/Router |
| Typische Nutzung | Geräte finden, Name/IP zuweisen | Laden, Online gehen, Diagnose |
Vertiefung: IP-Adresse online zuweisen
DCP arbeitet – wie oben gezeigt – rein auf Ethernet/MAC-Ebene und ignoriert dabei die IP-Subnetze von Laptop und CPU vollständig. Über TIA Portal («Online & Diagnostik» → «Funktionen» → «IP-Adresse vergeben») oder Tools wie PRONETA kann einer CPU daher jederzeit per DCP eine neue IP-Adresse zugewiesen werden – selbst wenn der Laptop in einem völlig anderen Subnetz liegt oder gar keine IP-Adresse konfiguriert hat.
IP-Adresse einstellen: Netzwerkverbindungen öffnen (Windows)
Um die IP-Adresse des Laptops einzustellen oder zu prüfen, in welchem Netzwerk ein Kabel eingesteckt ist, brauchst du die Netzwerkverbindungen- Ansicht. Alle folgenden Wege funktionieren unter Windows 11 – sowohl in der deutschen als auch in der englischen Version identisch.
Weg 1: Direkt per Tastenkürzel (empfohlen)
Windows-Taste + R drücken, ncpa.cpl eingeben und
Enter drücken. Öffnet sofort die klassische Netzwerkverbindungen-Übersicht –
unabhängig von Sprache und Windows-Version, ohne Download, ohne Warnmeldung.
Weg 2: Über die Windows-Suche
| Windows-Sprache | Sucheingabe | Ergebnis |
|---|---|---|
| Deutsch | netz | «Netzwerkverbindungen anzeigen» |
| Englisch | network | «View network connections» |
Weg 3: Direkter Link (Netzwerk & Internet)
Öffnet die moderne Windows-Einstellungen-Seite «Netzwerk und Internet». Der Browser zeigt dabei eine Sicherheitsabfrage, die bestätigt werden muss:
Netzwerk & Internet öffnen